DATENSTÜCK: FRANKFURT AM MAIN · DATENSTÜCK

Die Stadt als Datenraum

Frankfurt veröffentlicht viele Zahlen. Die journalistische Aufgabe beginnt bei der Auswahl und dem Zusammenhang.

Leerer Archivraum mit sauberen, unbeschrifteten Ablagen.
Daten sind erst Journalismus, wenn sie verbunden werden.

Die Frage

Was wird sichtbar, wenn städtische Daten als verbundenes System statt als Sammlung isolierter Tabellen behandelt werden?

Die kurze Antwort

Rund 154 Datensätze im offenen Datenkatalog der Stadt lassen sich zu drei zusammenhängenden Bildern verdichten: Leben (Bevölkerung), Arbeiten (Beschäftigung) und Bauen (Wohnungsbau). Die Grenzen der Daten sind dabei so informativ wie die Werte.

Frankfurt veröffentlicht viele Zahlen. Die Stadt betreibt ein Statistikportal mit angegliedertem offenen Datenkatalog, der nach eigenen Angaben rund 154 Datensätze umfasst. Wer den Katalog öffnet, sieht zunächst eine Sammlung. Die journalistische Aufgabe beginnt einen Schritt früher: nicht beim Zählen, sondern bei der Auswahl und beim Zusammenhang.

Die Frage dieses Datenstücks lautet deshalb, was sichtbar wird, wenn städtische Daten als verbundenes System und nicht als Sammlung isolierter Tabellen behandelt werden. Dafür reicht ein Blick auf drei Reihen, die aus ganz unterschiedlichen Ecken des Katalogs kommen: die Bevölkerung, die Beschäftigung am Arbeitsort und die fertiggestellten Wohnungen.

Was das Portal veröffentlicht

Der offene Datenkatalog ordnet seine rund 154 Datensätze zehn Themenfeldern zu. Die größte Gruppe bildet die Bevölkerung mit gut 44 Datensätzen, dazu kommen Wirtschaft und Arbeit, Wahlen, Kultur und Tourismus, Gesundheit, Verkehr, Umwelt und Klima sowie Bau und Wohnen. Die Verteilung ist ungleich. Auf Bau und Wohnen entfallen nur rund drei Datensätze, während die Bevölkerung über vier Dutzend trägt.

ThemenfeldRund
Bevölkerung / Demografie44größte Gruppe
Wirtschaft17
Arbeit / Erwerbstätigkeit14
Wahlen14
Kultur / Tourismus19
Gesundheit12
Bildung8
Verkehr / Mobilität6
Umwelt / Klima4
Bau / Wohnen3kleinste Gruppe

Die Annahme, wer mehr Datensätze habe, liefere das bessere Bild, führt in die Irre. Am Bauen hängen in der Stadtpolitik die größten Versprechen, aber nur drei Datensätze. Umgekehrt ist die Bevölkerungsstatistik gut ausgestattet, sagt aber über das Erwerbsleben nichts aus. Die Gewichte im Katalog spiegeln also nicht die Gewichte in der Debatte. Wer den Katalog als Beleg für eine Priorität liest, überliest, dass er vor allem abbildet, was die Verwaltung seit Jahren erhebt, nicht was gerade auf der Agenda steht.

Verbindungen statt Tabellen

Wird die Sammlung als System gelesen, entstehen drei Bilder, die jede Tabelle für sich nicht hergibt.

Leben. Die Stadt führt die Einwohnerzahl über das Melderegister. Zum 30.06.2025 zählte sie 778.589 Menschen mit Hauptwohnsitz, zum 31.12.2025 waren es 781.337. Die Meldung zum 30.06.2026 weist 776.835 aus, ein Rückgang um 4.502 Personen gegenüber dem Jahresende und der erste Rückgang nach vier Jahren Anstieg. Frankfurt hat zuletzt also leicht geschrumpft.

Arbeiten. Am Arbeitsort bleibt die Beschäftigung hoch. Die Bundesagentur für Arbeit weist für Februar 2026 647.390 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte aus, am Referenzstichtag 30.06.2025 waren es 651.130. Allein die Stadt bündelt damit weit mehr Arbeitsplätze, als sie Einwohnerinnen und Einwohner hätte, ein Zeichen der Einpendlerregion. Hoch bleibt dabei auch die Arbeitslosenquote von 7,2 Prozent im August 2026.

Bauen. Das Hessische Statistische Landesamt meldet für Frankfurt im Jahr 2025 3.772 fertiggestellte Wohnungen. In Hessen insgesamt waren es 15.542, das sind 13,5 Prozent weniger als im Vorjahr, während die Genehmigungen um 21,8 Prozent zulegten. Die Stadt baut weiter, aber vieles bleibt auf Papier genehmigt und ist noch nicht bezugsfertig.

Die Grenzen der Daten

Ein verbundenes System macht nicht nur die Werte sichtbar, sondern auch ihre Grenzen. Diese sind hier so informativ wie die Zahlen selbst.

Erstens fehlt die zensusbasierte Zahl. Die Bevölkerungsreihe ist eine melderechtliche Fortschreibung, keine auf der Volkszählung beruhende Bevölkerung. Die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen verwenden für Frankfurt im BIP-Nenner einen eigenen Wert, 774.429 Personen für das Jahr 2023. Meldezahl und Zensuszahl weichen voneinander ab. Wer die Bevölkerungsreihe liest, liest das Melderegister, nicht die amtliche Bevölkerungsstatistik.

Zweitens ist die Aktualisierung nicht dokumentiert. Der Katalog mischt monatliche, quartalsweise und jährliche Fortschreibungen neben Wahlterminen, aber eine einzelne Aktualisierungsfrequenz wird nicht je Datensatz angegeben. Wie aktuell eine Zahl ist, muss sich die Leserin aus der Quelle selbst erschließen.

Drittens enden viele Reihen an der Stadtgrenze. Für den Wirtschaftsraum FrankfurtRheinMain existiert keine durchgehende regionale Reihe in vergleichbarer Aufbereitung, etwa eine gemeinsame Arbeitslosenquote der Metropolregion. Die Bundesagentur weist für die funktionale Arbeitsmarktregion Frankfurt am Main 6,1 Prozent aus, eine Größe, die nicht mit der Planungs- oder Metropolregion identisch ist. Das verbundene System funktioniert innerhalb der Stadt, nicht ohne Weiteres über ihre Grenzen hinaus.

Was verbundenes Arbeiten bedeutet

Ein Datenraum ist journalistisch dann nützlich, wenn er eine Frage beantwortet, die keine einzelne Tabelle beantwortet. Die drei Reihen ergeben zusammen eine Spannung: Frankfurt verliert etwas Einwohner, behält aber eine hohe Zahl von Arbeitsplätzen und baut zugleich Wohnungen. Das ist kein Widerspruch, sondern ein Hinweis darauf, dass Leben, Arbeiten und Bauen in einer Stadt nicht synchron laufen. Bevölkerung folgt anderen Regeln als Arbeitsplätze, und Wohnungsbau folgt anderen als beides.

Gleichzeitig bleibt die Verbindung vorsichtig. Der Rückgang der Einwohnerzahl ist teilweise melderechtlich bedingt, die Beschäftigung wird am Arbeitsort und nicht am Wohnort gezählt, und die Fertigstellungen sind keine Genehmigungen. Wer die drei Reihen zu einem Satz zusammenzieht, verbindet Aussagen, die verschiedene Maßstäbe und verschiedene Wahrheiten tragen.

Was die Zahlen offen lassen

Am Ende steht die Frage, die ein reiner Tabellenabruf nicht beantwortet: Was würde sichtbar, wenn die Stadt ihre Daten nicht nur bereitstellte, sondern auch die Verbindungen dokumentierte? Welche Bevölkerungszahl die führende ist, wie häufig jede Reihe aktualisiert wird und wo die Region über die Stadtgrenzen hinaus zusammenhängt. Bis dahin bleibt der Unterschied zwischen einer Sammlung und einem System nicht nur eine Frage der Aufbereitung, sondern auch der Verantwortung: Daten sind erst Journalismus, wenn jemand die Verbindungen herstellt und ihre Grenzen benennt.

DATENSTÜCK

Leben, Arbeiten, Bauen: drei Reihen mit eigenen Maßstäben

Bevölkerung sinkt leicht, Beschäftigung am Arbeitsort bleibt hoch, der Wohnungsbau legt in Frankfurt zu. Jede Reihe hat einen eigenen Maßstab und eigene Unsicherheiten.

Einwohner (Hauptwohnsitz, 30.06.): 2025: 778589, 2025-12-31: 781337, 2026: 776835 776.294,8 777.411,3 778.527,8 779.644,2 780.760,7 781.877,2 2025: 778.589 Personen 2025 2025-12-31: 781.337 Personen 2025-12-31 2026: 776.835 Personen 2026

Einwohner (Hauptwohnsitz, 30.06.)

Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort: 30.06.2025: 651130, Februar 2026: 647390 646.941,2 647.868,7 648.796,2 649.723,8 650.651,3 651.578,8 30.06.2025: 651.130 Personen 30.06.2025 Februar 2026: 647.390 Personen Februar 2026

Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort

Fertiggestellte Wohnungen Frankfurt: 2025: 3772 3.771,9 3.771,9 3.772 3.772 3.772,1 3.772,1 2025: 3.772 Wohnungen 2025

Fertiggestellte Wohnungen Frankfurt

Leben, Arbeiten, Bauen: drei Reihen mit eigenen Maßstäben: Datentabelle
ZeitraumWert
2025778.589
2025-12-31781.337
2026776.835
30.06.2025651.130
Februar 2026647.390
20253.772
Quelle: Bundesagentur für Arbeit, EckwerteTabelleBST, Kreis am Arbeitsort Frankfurt am Main; Stadt Frankfurt am Main, Frankfurter Statistik Aktuell (FSA 13/2025, FSA 04/2026) und Stadtmeldung 30.06.2026; Hessisches Statistisches Landesamt, Fertiggestellte Wohnungen nach Verwaltungsbezirken, Tabelle 15; Stadt Frankfurt am Main (offenedaten.frankfurt.de), DCAT-Katalog, rund 154 Datensätze; Stadt Frankfurt am Main, Bürgeramt, Statistik und Wahlen, Themencluster und Beispiel-Datensätze · Zeitraum: Februar 2026 bzw. 30.06.2025; 30.06.2025, 31.12.2025, 30.06.2026; 2025; laufend; laufend · Einheit: verschiedene Methodik und Grenzen der Zahlen

Methodik und Grenzen der Zahlen

Die drei Reihen sind nicht direkt vergleichbar. Die Bevölkerungszahl ist eine melderechtliche Fortschreibung des Melderegisters (Hauptwohnsitz), keine zensusbasierte Bevölkerung. Sie weicht von der Zahl ab, die die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen im Nenner verwenden (Frankfurt 2023, 774.429 Personen). Die Beschäftigtenzahl ist auf 10er gerundet und wird am Arbeitsort gezählt, nicht am Wohnort. Bei den Wohnungen handelt es sich um fertiggestellte, nicht um genehmigte Einheiten. Zudem tragen die Reihen unterschiedliche Messzeitpunkte: Halbjahres- und Jahresstichtage bei der Bevölkerung, ein Monatswert und ein Halbjahresstichtag bei der Beschäftigung, ein Jahreswert beim Wohnungsbau. Es wird bewusst kein zusammengesetzter Index gebildet; jede Reihe behält ihren eigenen Maßstab. Abrufdatum der Daten: 28.08.2026. Zusatzwerte aus Hessen (Fertigstellungen 15.542, Genehmigungen 16.772) dienen als Kontext, nicht als Bestandteil der Frankfurter Reihen.

Quellen

  1. Bundesagentur für Arbeit, Beschäftigungsstatistik, Aktuelle Eckwerte, Datenstand August 2026 , EckwerteTabelleBST, Kreis am Arbeitsort Frankfurt am Main , Bundesagentur für Arbeit , Zeitraum Februar 2026 bzw. 30.06.2025 , Gebiet Stadt Frankfurt am Main , Lizenz: Öffentliche Statistik , abgerufen 28. August 2026

    Definition: Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort

    Grenzen: Auf 10er gerundet; Arbeitsort, nicht Wohnort

  2. Stadt Frankfurt am Main, Bürgeramt, Statistik und Wahlen, Melderegister , Frankfurter Statistik Aktuell (FSA 13/2025, FSA 04/2026) und Stadtmeldung 30.06.2026 , Stadt Frankfurt am Main , Zeitraum 30.06.2025, 31.12.2025, 30.06.2026 , Gebiet Stadt Frankfurt am Main , Lizenz: Amtliche Statistik , abgerufen 28. August 2026

    Definition: Einwohnerinnen und Einwohner mit Hauptwohnsitz

    Grenzen: Melderechtliche Fortschreibung; 30.06.2026 über Stadtmeldung (Sekundärquelle, melderechtliche Bereinigung im Spiel)

  3. Hessisches Statistisches Landesamt, Baufertigstellungen in Hessen im Jahr 2025 , Fertiggestellte Wohnungen nach Verwaltungsbezirken, Tabelle 15 , Hessisches Statistisches Landesamt , Zeitraum 2025 , Gebiet Stadt Frankfurt am Main , Lizenz: Öffentliche Statistik , abgerufen 28. August 2026

    Definition: Fertiggestellte Wohnungen, alle Baumaßnahmen, Wohn- und Nichtwohnbau

    Grenzen: Vorläufige Ergebnisse; Fertigstellungen, nicht Genehmigungen; weicht von städtischen Zählungen ab

  4. Stadt Frankfurt am Main, offener Datenkatalog des Statistikportals , DCAT-Katalog, rund 154 Datensätze , Stadt Frankfurt am Main (offenedaten.frankfurt.de) , Zeitraum laufend , Gebiet Stadt Frankfurt am Main , Lizenz: Offene Daten , abgerufen 28. August 2026

    Definition: Katalog der offenen Stadtdaten in zehn Themenclustern

    Grenzen: Aktualisierungskadenz nicht je Datensatz dokumentiert

  5. Frankfurter Statistikportal (offener Datenkatalog) , Themencluster und Beispiel-Datensätze , Stadt Frankfurt am Main, Bürgeramt, Statistik und Wahlen , Zeitraum laufend , Gebiet Stadt Frankfurt am Main , Lizenz: Offene Daten , abgerufen 28. August 2026

    Definition: Aufteilung der rund 154 Datensätze auf zehn Themenfelder

    Grenzen: Zählung gerundet; Clusterbildung redaktionell, nicht amtlich fixiert