ANALYSE: GESUNDHEITSWIRTSCHAFT & KLINIKEN IN RHEIN-MAIN

Millionendefizite im Notbetrieb: Wie die Krankenhausreform das Kliniknetz in Rhein-Main spaltet

Trotz Rekordinvestitionen wie dem 263-Millionen-Euro-Neubau in Frankfurt-Höchst schreiben über 80 Prozent der hessischen Kliniken rote Zahlen. Warum das Fallpauschalensystem kommunale Kassen leert, Notaufnahmen im IVENA-System kapitulieren und wie private Betreiber wie Fresenius im Ballungsraum wirtschaften.

Leerer, neuer Klinikflur mit dunklen Displays, ohne Beschilderung.
Gesundheit ist Versorgung, Forschung und Anlagen.

Hinter den sterilen Fassaden der Krankenhäuser im Rhein-Main-Gebiet vollzieht sich eine fundamentale fiskalische Kernschmelze. Während die vollstationären Fallzahlen in Hessen im Jahr 2025 nach amtlichen Erhebungen des Hessischen Statistischen Landesamtes (HSL) leicht um 2,5 Prozent auf 1,29 Millionen Behandlungen anzogen und die Bettenauslastung auf 71,5 Prozent stieg, hat sich die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Häuser dramatisch verschlechtert. Nach Angaben des Klinikverbunds Hessen und der Hessischen Krankenhausgesellschaft (HKG) schlossen in den Wirtschaftsjahren 2024 und 2025 zwischen 80 und 85 Prozent der hessischen Kliniken mit operativen Fehlbeträgen ab. Bundesweit schreiben laut Deutscher Krankenhausgesellschaft (DKG) rund 70 Prozent der Einrichtungen rote Zahlen.

Das medizinische Versorgungsnetz der Region steht vor einer doppelten Zerreißprobe: Auf der einen Seite zwingen explodierende Personalkosten infolge von TVöD-Tarifabschlüssen, Sachkosteninflation bei Medizintechnik und ungedeckte Zins- und Abschreibungslasten die kommunalen Träger zu massiven Rettungsschirmen. Auf der anderen Seite leitet die gesetzliche Krankenhausreform des Bundes (KHVVG) in Verbindung mit dem novellierten Hessischen Krankenhausplan eine Marktbereinigung ein, die historische Grundversorger herabstuft, Bettenkontingente abbaut und den Druck auf spezialisierte Maximalversorger maximiert.

Die Schieflage der Großversorger: Varisano, Uniklinik und kommunale Haushaltslöcher

Die wirtschaftliche Erosion erfasst im Ballungsraum Rhein-Main gleichermaßen Maximalversorger wie periphere Kreishäuser. Die Kliniken Frankfurt-Main-Taunus GmbH (Varisano), zu gleichen Teilen im Besitz der Stadt Frankfurt am Main und des Main-Taunus-Kreises (MTK), verzeichnete laut Geschäftsbericht im Jahr 2024 ein Gesamtdefizit von 34,3 Millionen Euro. Im Geschäftsjahr 2025 verharrte der Fehlbetrag mit 23,2 Millionen Euro auf existenzbedrohendem Niveau. Bis 2028 prognostiziert die Geschäftsführung für den Verbund einen kumulierten Verlust von annähernd 160 Millionen Euro.

Auf das Flaggschiff des Verbunds, die varisano Klinikum Frankfurt Höchst GmbH, entfiel 2024 ein Jahresfehlbetrag von 23,1 Millionen Euro, der 2025 bei 11,2 Millionen Euro lag. Um eine Zahlungsunfähigkeit abzuwenden, musste die Frankfurter Stadtverordnetenversammlung Verlustabdeckungen und Eigenkapitalzuführungen von mehr als 47 Millionen Euro freigeben. Dies belastet einen städtischen Kernhaushalt, der im Jahr 2025 ohnehin ein Rekorddefizit im kleineren dreistelligen Millionenbereich aufwies. Im Main-Taunus-Kreis wiesen die Klinikstandorte Bad Soden und Hofheim für 2024 ein Minus von 11,4 Millionen Euro und für 2025 von 12,4 Millionen Euro aus. Landrat Michael Cyriax bezifferte den ungedeckten Zuschussbedarf des Kreises bis zum Ende des Jahrzehnts auf knapp 31 Millionen Euro.

Nicht minder prekär stellt sich die Lage der universitären Spitzenmedizin dar: Das landeseigene Universitätsklinikum Frankfurt (UKF) schloss das Geschäftsjahr 2025 mit einem Fehlbetrag im hoch zweistelligen Millionenbereich ab. Der aufgelaufene Schuldenstand der Universitätsmedizin beläuft sich nach Landtagsberichten auf 385 Millionen Euro. Ursächlich hierfür ist die systematische Unterdeckung von Vorhaltekosten in der hochkomplexen Notfall- und Supramaximalversorgung: Hochspezialisierte Teams und teure Vorhalteinfrastrukturen werden im geltenden Fallpauschalensystem (DRG) über dieselben Relativgewichte abgegolten wie unkomplizierte Routineeingriffe in peripheren Häusern.

Klinik / StandortTrägerstrukturVersorgungsstufePlanbettenJahresergebnis / Defizit (2024/2025)Kommunaler ZuschussbedarfQuelle
varisano Klinikum Frankfurt HöchstStadt Frankfurt (50 %), MTK (50 %)Maximalversorgungca. 7802024: −23,1 Mio. € / 2025: −11,2 Mio. €Stadt Frankfurt: Verlustausgleich > 47 Mio. €Jahresabschluss Höchst / Magistratsvorlage
Universitätsklinikum FrankfurtLand Hessen (Goethe-Universität)Maximalversorgungca. 1.4802025: Zweistelliger Millionenverlust (385 Mio. € Schulden)Land Hessen: Sanierungsprüfung für StellenabbauHessischer Landtag Drucksache GFA 21/4
Sana Klinikum OffenbachSana Kliniken AG (51 %), Stadt Offenbach (49 %)Maximalversorgungca. 9002024: Positives operatives Ergebnis0 € (Laufender Betriebsausgleich vertraglich ausgeschlossen)Beteiligungsbericht Stadt Offenbach
GPR Klinikum RüsselsheimStadt Rüsselsheim am Main (100 %)Schwerpunktversorgungca. 5002024: −0,99 Mio. € (Planfehlbetrag)Absicherung durch Patronatserklärung & KreditrahmenBeteiligungsbericht Stadt Rüsselsheim
Bürgerhospital & ClementineBürgerhospital e. V. (Stiftung)Schwerpunktversorgungca. 4102024 & 2025: Positiver Jahresüberschuss0 € (Freigemeinnützige Eigenfinanzierung)Bundesanzeiger Konzernabschluss
varisano Kliniken Main-TaunusMain-Taunus-Kreis (50 %), Stadt Frankfurt (50 %)Grund- und Regelversorgungca. 4602024: −11,4 Mio. € / 2025: −12,4 Mio. €MTK: 8 Mio. € Soforthilfe; ca. 31 Mio. € bis 2030 budgetiertHaushaltsbericht MTK / Varisano-Bilanz
Hochtaunus-KlinikenHochtaunuskreis (100 %)Schwerpunktversorgungca. 4902024: ca. −12 Mio. € / 2025: ca. −11,1 Mio. €Hochtaunuskreis: 100 % Defizitausgleich aus KreishaushaltBeteiligungsbericht Hochtaunuskreis

Das Investitions- und Betriebskosten-Paradoxon: Der Passivhaus-Neubau Höchst

Die strukturelle Schieflage des deutschen Krankenhauswesens wurzelt im Prinzip der dualen Finanzierung nach dem Krankenhausfinanzierungsgesetz (KHG): Die Bundesländer sind gesetzlich verpflichtet, die Investitionskosten für Gebäude und Medizintechnik bereitzustellen, während die laufenden Betriebskosten allein über die Vergütungen der gesetzlichen und privaten Krankenkassen finanziert werden müssen.

Im Rhein-Main-Gebiet ist diese Ordnung kollabiert. Wie das Beispiel des Klinikums Frankfurt Höchst verdeutlicht, erweist sich selbst ein bautechnischer Meilenstein als bilanzielle Falle. Ende 2022 bezog das Haus den weltweit ersten Krankenhaus-Ersatzneubau im energieeffizienten Passivhaus-Standard mit einem Investitionsvolumen von über 263 Millionen Euro. Das Ziel: Eine Senkung der gebäudetechnischen Betriebskosten um bis zu 30 Prozent bei Heizung und Kühlung.

Doch weil das Land Hessen über das reguläre Krankenhausbauprogramm nur einen Teil der Investitionssumme finanzierte, musste der Träger den Rest über Bankkredite und Gesellschafterdarlehen aufbringen. Die Folge: Im Geschäftsjahr 2024 schlugen planmäßige Sachanlagenabschreibungen auf den Neubau mit 20,4 Millionen Euro sowie Zinsaufwendungen von 1,81 Millionen Euro in der Gewinn- und Verlustrechnung zu Buche. Da die DRG-Fallpauschalen der Krankenkassen keine Zins- und Abschreibungsanteile für Bauwerke enthalten, drückt die Aktivierung der modernen Bausubstanz das operative Betriebsergebnis direkt ins Minus.

Gleichzeitig verharrt die reguläre Investitionsförderung des Landes Hessen auf unzureichendem Niveau. Zwar legte das Land im November 2025 über ein Sondervermögen zusätzliche 950 Millionen Euro für die Transformation auf, doch die Hessische Krankenhausgesellschaft kritisierte umgehend, dass substantielle Tranchen davon zweckgebunden an die landeseigene Universitätsmedizin flossen, um deren Altschulden zu bereinigen. Den Allgemeinkrankenhäusern fehlen weiterhin kontinuierliche Baupauschalen zur Instandhaltung.

Hinzu kommt die Spreizung zwischen Kosten und Erlösen: Am Klinikum Höchst machten Löhne, Gehälter und Sozialabgaben 2024 zusammen 176,2 Millionen Euro bei Gesamterlösen von 223,2 Millionen Euro aus, was einer Personalkostenquote von 78,9 Prozent entspricht. Zwar stieg der verhandelte Landesbasisfallwert für Hessen 2026 auf 4.603,20 Euro (nach einem Gesamtvolumen von 4,87 Milliarden Euro im Jahr 2025), doch diese linearen Anpassungen fangen weder die kumulierten TVöD-Tarifsteigerungen noch die Teuerung bei medizinischen Verbrauchsgütern auf.

Reformdruck durch KHVVG: Leistungsgruppen und die Ausdünnung der Fläche

Auf diese ökonomische Verwundbarkeit trifft das Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG) des Bundes. Die Reform zielt darauf ab, das reine DRG-Fallpauschalensystem durch eine 60-prozentige Vorhaltefinanzierung abzulösen. Diese Vorhaltepauschalen sind jedoch zwingend an die Zuweisung von 65 bundeseinheitlichen Leistungsgruppen gekoppelt, die strenge Qualitäts-, Personal- und Mindestmengenkriterien verlangen.

Der im Dezember 2025 vom Hessischen Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege (HMFG) in Kraft gesetzte neue Hessische Krankenhausplan setzt diesen Bereinigungsprozess in der Versorgungsregion 4 (Rhein-Main) administrativ um:

  1. Konzentration der Maximalversorgung: Komplexe Leistungsgruppen in der Neurochirurgie, interventionellen Kardiologie, Transplantationsmedizin und pädiatrischen Onkologie werden auf wenige Großzentren gebündelt: Universitätsklinikum Frankfurt, Klinikum Höchst, Sana Klinikum Offenbach, Klinikum Darmstadt und die Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken Wiesbaden.
  2. Deklassierung kleinerer Grundversorger (Level 1i): Kleinere Standorte im stadtnahen Umland können die geforderten Vorhaltekriterien für Facharztpräsenzen rund um die Uhr personell und finanziell nicht mehr darstellen. Am Varisano-Standort Hofheim wurde die Zentrale Notaufnahme bereits zum 31. Dezember 2024 dauerhaft geschlossen; das Haus wird zu einem ambulant-stationären Fach- und OP-Zentrum ohne Notfallversorgung umgebaut. Ein ähnliches Schicksal droht dem Standort Usingen der Hochtaunus-Kliniken sowie der defizitären Kreisklinik Groß-Gerau, die nach einem Schutzschirmverfahren jährliche Verluste von 5,8 Millionen Euro einfährt.

Personaluntergrenzen und der IVENA-Kollaps an den Notaufnahmen

Die finanziellen Restriktionen manifestieren sich unmittelbar im operativen Stationsbetrieb. Auf dem Papier verfügt Hessen über 34.820 vollstationäre Krankenhausbetten, darunter 1.880 Betten in der Intensivmedizin. In der Realität ist ein erheblicher Teil dieser Betten gesperrt.

Nach den Vorgaben der Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung (PpUGV) dürfen Krankenhäuser in pflegesensitiven Bereichen wie der Intensivmedizin, Kardiologie oder Geriatrie feste Betreuungsschlüssel nicht unterschreiten. Auf Intensivstationen gilt tagsüber ein Verhältnis von maximal zwei Patienten pro Pflegekraft, nachts drei zu eins; auf Normalstationen liegt die Quote tagsüber bei zehn zu eins. Werden diese Quoten gerissen, drohen empfindliche Vergütungsabschläge.

Um Strafzahlungen zu vermeiden, legen die Kliniken Betten administrativ still. Bundesweit sperren 62 Prozent der Klinikstandorte Betten infolge der PpUGV. Im Rhein-Main-Gebiet sind auf Normal- und Intensivstationen im Schnitt zwischen 10 und 20 Prozent der Betten blockiert. Dies führt zu einem Rückstau in den Zentralen Notaufnahmen (ZNA): Weil Notfallpatienten nicht auf Station verlegt werden können, laufen die Notaufnahmen voll.

Über das hessische Zuweisungssystem IVENA (Interdisziplinärer Versorgungsnachweis) melden sich die Notaufnahmen im Ballungsraum regelmäßig für Reanimationen, Schlaganfälle oder Schockraumbehandlungen mit dem Status Rot ab. Zeitweise waren in Frankfurt, Offenbach, Wiesbaden und dem Main-Taunus-Kreis zeitgleich fast alle Notaufnahmen für spezifische Fachdisziplinen geschlossen. Rettungswagen müssen weite Umwege fahren oder blockieren bei Zwangszuweisungen die Rampen der Notaufnahmen für bis zu 45 Minuten, da Übergaben verzögert werden.

Um Bagatellfälle aus den Notaufnahmen fernzuhalten, startete die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) das Projekt SaN (Sektorenübergreifende ambulante Notfallversorgung), über das Rettungsleitstellen Patienten mit niedriger Behandlungsdringlichkeit über IVENA direkt in Partnerpraxen oder den Ärztlichen Bereitschaftsdienst steuern. Für jede Fallübernahme erhalten die Praxen eine Strukturpauschale von 15 Euro. Gleichzeitig entzieht die Ausweitung des AOP-Katalogs nach § 115b SGB V den Krankenhäusern lukrative ambulant durchführbare Eingriffe, was die Deckungsbeiträge für die stationäre Grundinfrastruktur weiter schmälert.

Trägermodelle im Vergleich: Private Konzerne, Stiftungen und kommunale Klagen

Die Zuspitzung der Krise verschärft den Systemwettbewerb zwischen den Trägergruppen:

  • Öffentlich-rechtliche Häuser (ca. 45 % der Betten): Sie tragen die Hauptlast der Notfall- und Intensivversorgung, verursachen jedoch hohe kommunale Defizite. Im Jahr 2025 wiesen die hessischen Kommunen ein Finanzierungsdefizit von insgesamt 2,4 Milliarden Euro aus. Dauerhafte Subventionen unrentabler Standorte sind rechtlich und haushalterisch kaum mehr darstellbar.
  • Freigemeinnützige Träger (ca. 35 % der Betten): Häuser wie die Bürgerhospital und Clementine Kinderhospital gGmbH behaupten sich durch Spezialisierung (unter anderem Endokrine Chirurgie, Augenheilkunde und Perinatalzentrum Level 1 mit über 3.000 Geburten) ohne städtische Zuschüsse und erzielten 2024 bei 162,2 Millionen Euro Umsatz ein positives Ergebnis. Der Diakoniekonzern Agaplesion (Markus- und Bethanien-Krankenhaus), der 2025 konzernweit 28,5 Millionen Euro Überschuss erwirtschaftete, reichte Klage gegen die Stadt Frankfurt ein: Die einseitige Defizitabdeckung von über 47 Millionen Euro für Höchst stelle eine rechtswidrige Wettbewerbsverzerrung dar, da gemeinnützige Träger bei identischem Versorgungsauftrag leer ausgehen.
  • Private Klinikkonzerne (ca. 20 % der Betten): Private Klinikbetreiber stützen sich auf standardisierte Prozesse und zentrale Einkaufsgesellschaften. Das mehrheitlich privatisierte Sana Klinikum Offenbach (51 Prozent Sana, 49 Prozent Stadt) steigerte seinen Umsatz auf über 210 Millionen Euro und arbeitet operativ ausgeglichen, ohne den städtischen Haushalt zu belasten. Im Hochtaunuskreis steuert der DAX-Gesundheitskonzern Fresenius von seiner Konzernzentrale in Bad Homburg vor der Höhe aus ein weltweites Gesundheitsnetzwerk und demonstriert mit seiner Kliniksparte Helios (unter anderem den Dr. Horst Schmidt Kliniken in Wiesbaden), wie private Betreiber über Verbundvorteile, standardisierte Beschaffung und gezielte Zentrenbildung dem Margendruck im deutschen Krankenhausmarkt begegnen.

Was die Bilanzen verschweigen: Einmaleffekte und verdeckte Risiken

Wer die ökonomische Lage der Krankenhäuser im Rhein-Main-Gebiet beurteilen will, muss die methodischen Grenzen der publizierten Zahlen kennen:

  1. Bilanzkosmetik durch Grundstücksverkäufe: Einzelne Träger kaschieren operative Verluste durch Verkäufe von Liegenschaften. Die Frankfurter Stiftung Hospital zum Heiligen Geist wies für 2025 nach einem Defizit von minus 18,6 Millionen Euro im Vorjahr einen Überschuss von plus 17,9 Millionen Euro aus. Dieser Positivsaldo resultierte jedoch ausschließlich aus einem außerordentlichen Ertrag aus einem Grundstücksverkauf; der laufende Klinikbetrieb verharrte tief im Minus.
  2. Verdeckte Subventionen über Schattenhaushalte: Kommunale Hilfen fließen oft nicht als direkter Zuschuss im Haushaltsplan, sondern als Patronatserklärungen, Liquiditätskreditrahmen oder nachrangige Gesellschafterdarlehen, wie am Beispiel des GPR Klinikums Rüsselsheim sichtbar wird.
  3. Geheimhaltung bei IVENA-Abmeldungen: Detaillierte Statistiken über Abmeldestunden einzelner Notaufnahmen werden vom hessischen Gesundheitsministerium und den Trägern unter Verweis auf Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse unter Verschluss gehalten.

Bis zum Jahr 2030 wird der ökonomische Schuldendruck die Krankenhauslandschaft in Frankfurt und Rhein-Main radikal bereinigen. Wenn kommunale Kassen an ihre Belastungsgrenzen stoßen, bleiben moderne Passivhausbauten ohne Personal leer, während Notaufnahmen im Minutentakt zwischen Rot und Zwangszuweisung pendeln.


Quellen und Methodik

Die Daten dieses Beitrags basieren auf behördlichen Berichten des Landes Hessen, amtlichen Veröffentlichungen der Kommunen und Ministerien, testierten Jahresabschlüssen der Trägergesellschaften sowie wissenschaftlichen und energiewirtschaftlichen Untersuchungen der Krankenhausverbände.

  • Hessisches Statistisches Landesamt: Mehr stationäre Krankenhausbehandlungen in Hessen im Jahr 2025, Verweildauer auf historischem Tiefstand, Landesstatistik zu Fallzahlen und Bettenkapazitäten, August 2026.
  • Hessisches Statistisches Landesamt: Hessens Kommunen mit Finanzierungsdefizit von 2,4 Milliarden Euro, Amtliche Finanzstatistik zu Gesamthaushalten und kommunalen Eigenbetrieben, Juni 2026.
  • varisano Klinikum Frankfurt Höchst GmbH: Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 2024 und Lagebericht, Veröffentlichung im Unternehmensregister zu Jahresfehlbeträgen, Gebäudeabschreibungen von 20,4 Millionen Euro und Passivhaus-Investitionen, November 2025.
  • Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) Landesvertretung Hessen: Einigung über Landesbasisfallwert für hessische Krankenhäuser, Vereinbarung über ein Finanzvolumen von 4,87 Milliarden Euro, Januar 2025.
  • Hessisches Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege: Neuer Hessischer Krankenhausplan veröffentlicht, Weichenstellung für die stationäre Versorgung und Zuweisung von 65 Leistungsgruppen in Region 4, Dezember 2025.
  • Hessischer Landtag (21. Wahlperiode): Krankenhausschließungen und wirtschaftliche Notlage der hessischen Kliniken, Ausschussbericht GFA 21/4 zu Drucksache 21/992 über Schuldenstände des Universitätsklinikums Frankfurt, September 2024.
  • Deutsche Krankenhausgesellschaft e. V.: Kliniken befürchten deutlich steigende Defizite ab Herbst, Erhebung zu Defizitquoten und Bettenstilllegungen nach PpUGV, März 2026.
  • Hessische Krankenhausgesellschaft e. V.: 950 Millionen Euro Sondervermögen für Kliniktransformation, Stellungnahme zur Mittelverteilung und Defizitquoten hessischer Krankenhäuser, November 2025.
  • Kassenärztliche Vereinigung Hessen: Sektorenübergreifende ambulante Notfallversorgung (SaN), Fachbericht zur Entlastung der Notaufnahmen und IVENA-Steuerung, April 2026.
  • Kreisausschuss des Hochtaunuskreises: Beteiligungsbericht 2025 über die wirtschaftliche Lage der Hochtaunus-Kliniken gGmbH, Sitzungsvorlage zu Defizitausgleichen in Bad Homburg und Usingen, Oktober 2025.
  • Magistrat der Stadt Rüsselsheim am Main: Beratungen über Erhöhung des Höchstbetrags für Liquiditätskredite und Patronatserklärung für das GPR Klinikum, Amtliche Mitteilung zu Bürgschaften, Oktober 2025.
  • Bürgerhospital und Clementine Kinderhospital gemeinnützige GmbH: Konzernabschluss zum Geschäftsjahr 2024, Bilanzdaten zu Umsatzerlösen von 162,2 Millionen Euro und Geburtenzahlen im Perinatalzentrum Level 1, Januar 2026.
  • Main-Taunus-Kreis: Haushaltsplanentwurf und Finanzbericht des Main-Taunus-Kreises, Systemisches Defizit im Sozial- und Gesundheitsbereich, Erklärung von Landrat Michael Cyriax, November 2024.
  • Agaplesion gemeinnützige Aktiengesellschaft: Widerspruch und Klage gegen den Betrauungsakt der Stadt Frankfurt am Main zur Verlustabdeckung des Klinikums Höchst, Erklärung zu Wettbewerbsverzerrungen im Krankenhausmarkt, Dezember 2025.
  • Fresenius SE & Co. KGaA: Konzernberichterstattung zu Trägerstrukturen, Helios-Kliniknetzwerk und Skaleneffekten im Gesundheitswesen, Bad Homburg vor der Höhe, Februar 2026.

Quellen und Methodik

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  2. 02 Hessisches Statistisches Landesamt , Hessens Kommunen mit Finanzierungsdefizit von 2,4 Milliarden Euro , Amtliche Finanzstatistik , Geschäftsjahr 2025 , Hessen , veröffentlicht 2026-06-23 , abgerufen 2026-09-13
  3. 03 varisano Klinikum Frankfurt Höchst GmbH , Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 2024 und Lagebericht , Geschäftsbericht / Handelsregister , Geschäftsjahre 2024 und 2025 , Frankfurt am Main , veröffentlicht 2025-11-19 , abgerufen 2026-09-13
  4. 04 Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) Landesvertretung Hessen , Einigung über Landesbasisfallwert für hessische Krankenhäuser: Finanzvolumen von 4,87 Milliarden Euro vereinbart , Pressemitteilung der Kostenträger , 2025 bis 2026 , Hessen , veröffentlicht 2025-01-28 , abgerufen 2026-09-13
  5. 05 Hessisches Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege , Neuer Hessischer Krankenhausplan veröffentlicht: Weichenstellung für die stationäre Versorgung der Zukunft , Amtsbericht / Landesregierung , 2025 bis 2030 , Hessen / Rhein-Main , veröffentlicht 2025-12-18 , abgerufen 2026-09-13
  6. 06 Hessischer Landtag , Krankenhausschließungen und wirtschaftliche Notlage der hessischen Kliniken: Ausschussbericht GFA 21/4 , Parlamentarischer Bericht , Geschäftsjahr 2024 , Hessen , veröffentlicht 2024-09-04 , abgerufen 2026-09-13
  7. 07 Deutsche Krankenhausgesellschaft e. V. , Kliniken befürchten deutlich steigende Defizite ab Herbst , Verbandsstudie , 2025 bis 2026 , Bundesrepublik Deutschland , veröffentlicht 2026-03-19 , abgerufen 2026-09-13
  8. 08 Hessische Krankenhausgesellschaft e. V. , 950 Millionen Euro Sondervermögen für Kliniktransformation: Kritik an einseitiger Bevorzugung der Universitätsmedizin , Verbandsmitteilung , Geschäftsjahr 2025 , Hessen , veröffentlicht 2025-11-11 , abgerufen 2026-09-13
  9. 09 Kassenärztliche Vereinigung Hessen , Sektorenübergreifende ambulante Notfallversorgung (SaN): Echtzeitsteuerung von Notfallpatienten über IVENA , Institutioneller Fachbericht , 2026 , Hessen , veröffentlicht 2026-04-15 , abgerufen 2026-09-13
  10. 10 Kreisausschuss des Hochtaunuskreises , Beteiligungsbericht 2025 über die wirtschaftliche Lage der Hochtaunus-Kliniken gGmbH , Kommunaler Beteiligungsbericht , 2024 bis 2025 , Hochtaunuskreis , veröffentlicht 2025-10-15 , abgerufen 2026-09-13
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  12. 12 Bürgerhospital und Clementine Kinderhospital gemeinnützige GmbH , Konzernabschluss zum Geschäftsjahr 2024 , Veröffentlichter Jahresabschluss , 2024 bis 2025 , Frankfurt am Main , veröffentlicht 2026-01-27 , abgerufen 2026-09-13
  13. 13 Main-Taunus-Kreis , Haushaltsplanentwurf und Finanzbericht des Main-Taunus-Kreises: Systemisches Defizit im Sozial- und Gesundheitsbereich , Amtlicher Haushaltsbericht , 2024 bis 2030 , Main-Taunus-Kreis , veröffentlicht 2024-11-04 , abgerufen 2026-09-13
  14. 14 Agaplesion gemeinnützige Aktiengesellschaft , Widerspruch und Klage gegen den Betrauungsakt der Stadt Frankfurt am Main zur Verlustabdeckung des Klinikums Höchst , Trägererklärung / Pressebericht , 2024 bis 2025 , Frankfurt am Main , veröffentlicht 2025-12-10 , abgerufen 2026-09-13
  15. 15 Fresenius SE & Co. KGaA , Fresenius Geschäftsbericht und Helios-Kliniknetzwerk: Skaleneffekte und Trägermodelle , Geschäftsbericht / Unternehmenspublikation , 2025 bis 2026 , Bad Homburg vor der Höhe / Rhein-Main / Deutschland , veröffentlicht 2026-02-25 , abgerufen 2026-09-13